Die Teilnehmer:innen

Stefan Tripke

Jahrgang: 1973
Kommt aus: Fehrbellin
Springer seit: 1989 als damals 16-Jähriger. Damit entfachte ich eine Leidenschaft, die ich nach meinem Abitur in Neuruppin auch zu meinem Beruf als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr machte.

Mein Handicap:
Im Jahr 2001 erlitt ich unverschuldet einen schweren Motorradunfall. Seither ist mein rechter Arm gelähmt. Ich bin dadurch berufsunfähig und lebe mit weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Nach jahrelangem, hartnäckigem Rehatraining habe ich mich in das Leben zurückgekämpft und mir auch wieder sportliche Betätigungen erschlossen. Ich wurde 2014 Seniorenlandesmeister im Quadmotocross und beschloss zu diesem Zeitpunkt, wieder mit dem Fallschirmspringen zu beginnen. Die Voraussetzungen waren in meiner Heimatstadt Fehrbellin gegeben. Mit unserem deutschlandweit renommierten Sprunglehrer Jürgen „Mahle“ Mühling tüftelte ich ab 2015 an einem Gurtzeug und einem Sprungkonzept, um den Fallschirm auch mit meiner Behinderung bedienen zu können und sicher zu springen. Heute blicke ich auf unglaubliche 1.000 Sprünge mit Handicap zurück und bin damit weltweit Vorreiter.

Andrea Schendel

Jahrgang: 1973
Kommt aus: Mannheim
Springerin seit: 2011

Mein Handicap:
Mir fehlt seit meiner Geburt der linke Unterarm. Dadurch sind meine Greifmöglichkeiten beschränkt. Das Einhängen der Steuerleinen am Fallschirm ist durch sogenannte Toggles möglich.

Meine Geschichte:
Meine Fallschirmsprungleidenschaft erwachte durch das Geschenk eines Tandemsprungs. Die Frage, ob es auch mit einer Hand möglich sei, alleine zu springen, wurde mir in einem Telefonat mit dem DFV-Vizepräsidenten verneint. Die Homepage einer anderen Springerin, die mit Unterarmprothese springt, führte mich zum Sprungplatz Soest und zu Volker Wesenberg, der sowohl das Gurtzeug für mich umbaute, als auch die Ausbildung mit mir durchführte.
Zuerst war Training im Windkanal die Voraussetzung, bevor es an den ersten eigenen Sprung ging. Die Besonderheit durch meine Beeinträchtigung ist, dass ich nur einen halben „Bremsweg“ zum Herunterziehen der Steuerleinen habe und daher auf eher größere Kappen angewiesen bin. Zudem erfolgt das Auslösen des Reserveschirms nur mit einem Griff, anstatt wie üblich mit zwei separaten Griffen.
Selbst das Formationsspringen mit mehr als 10 anderen Personen konnte ich erlernen, auch wenn ich die Griffe mit der linken und viel kürzeren Hand sehr präzise erfliegen muss – anders als Springer mit zwei Händen, die durch das „Arme lang machen“ auch mal fliegerische Unebenheiten wegschummeln können. Mit mehr Tunnel-Training lässt sich das kompensieren.
Das Packen des Fallschirms gelingt mir mit kleinen Tricks, sodass ich auch hier die Unabhängigkeit von Packhilfen erreicht habe.

Meine wichtigste Erkenntnis in meinem Sport:
Egal an welchem Sprungplatz man mit einer Beeinträchtigung erscheint – alle sind interessiert an deiner Technik. Du bist immer sofort überall dabei und es wird dir immer alles zugetraut. Keiner schaut verschämt auf die Seite, jeder will wissen, welche Beeinträchtigung du hast! Das zeichnet die Springergemeinde absolut aus.

Teilnehmerin_Andrea_Schendel

Niki Jaklitsch

Jahrgang: 1981
Kommt aus: Berlin
Springer seit: 2016

Mein Handicap:
Ich habe spastische Tetraplegie, bis auf den rechten Arm unterliegen alle meine Gliedmaßen infolge einer Frühgeburt spastischen Lähmungen, die ich aber gut kontrollieren kann. Am Boden kann ich mich nur mit Rollator fortbewegen.

Meine Geschichte: 2016 entstand im Freundeskreis die Idee, einen Tandemsprung zu wagen. Mit SkyDive-Hildesheim war auch schnell ein Sprungplatz gefunden, der sich bereit erklärte, den Sprung durchzuführen. Bei einem ist es nicht geblieben, denn ich fand schnell Gefallen am Freifall und dem Gefühl der (Bewegungs-)Freiheit, bei dem mein Handicap keine Rolle spielt. Inzwischen sind es über 20 Tandems geworden und 2017 kam ich mit Rainbow in Fehrbellin ins Gespräch. Uwe und sein Team haben eine Kombi mit Seilzugsystem für mich gebaut, das meine Beine beugt, da ich sie aktiv nur strecken kann. Mit der Kombi trainiere ich seitdem im Tunnel. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise noch führt – am schönsten wäre es natürlich, so stabil fliegen zu lernen, dass auch selbst springen ein Thema wird.

Was mich an meinem Sport begeistert:
Der Fokus, den man im Freifall hat  und der dafür sorgt, dass alles, was einen am Boden beschäftigt hat, in den Hintergrund rückt. Dazu natürlich die Community und der Blick auf die untergehende Sonne in der Sunset Load ;-)

Ich denke, dass wir Para-Springer:innen in gewisser Weise eine Art Vorbildfunktion übernehmen können, weil wir zeigen, dass im Leben eines jeden Menschen eben doch schier Unglaubliches möglich ist!

Adrian Lanker

Jahrgang: 1981
Kommt aus: Samstagern CH
Springer seit: 2018 mit erstem Tandemsprung 2018, AFF 2019 und dann gings los.Nach meinem ersten Tandemsprung war ich so begeistert, dass ich zu überlegen begann. Nach dem 2. Sprung fragte ich auf der DZ, ob die Fallschirmlizenz irgendwie machbar wäre für mich.Nach einigen Abklärungen mit dem Verband, bekam ich das ok. Es wusste niemand, ob es möglich ist, und wie weit es gehen würde. Nach einiger Tunnelzeit und etlichen Sprüngen habe ich es aber doch geschafft. Vielen Dank dafür!

Mein Handicap:
Im Jahr 2007 stürzte ich bei der Arbeit  aus 8m auf gefrorenen Boden. Diagnose komplette Querschnittlähmung ab 7. Brustwirbel.

Was mich an meinem Sport begeistert:
Fallschirmspringen ist eine unglaublich komplexe Sportart. Es ist eine riesige Herausforderung, herauszufinden und zu lernen was, noch wie möglich ist. Die Momente mit den Kollegen im Himmel sind einzigartig und unbezahlbar.

Jörg Schmidtke

Jahrgang: 1983
Kommt aus: Hamburg
Springer seit: 2001, erste Static-Line Sprünge

Mein Handicap:
Durch einem Fallschirmsprungunfall im Jahr 2017 verlor ich meinen linken Unterschenkel. Zwei Jahre später begann ich wieder, mit meinem Handicap zu springen.

Was mich an meinem Sport begeistert:
Die Freiheit, das Reisen neue Orte zu besuchen und vor allem die tollen Menschen, mit denen ich diese Leidenschaft teile.
Ich bin als Kind schon mit Flugzeugen und Fallschirmspringen aufgewachsen.

Alex Slegg

Jahrgang: 1991
Kommt aus: Amesbury, United Kingdom
Springer seit:

Mein Handicap:
Rückenmarksverletzung, Cauda-Equina-Syndrom, Schwäche des rechten Beins..

Was mich an meinem Sport begeistert:Fallschirmspringen und Tunnelfliegen haben mein Leben komplett verändert, seit ich es 2015 gelernt habe. Der Sport war ein wichtiger Faktor bei meiner Genesung und Rehabilitation nach meiner Verletzung. Das Streben, ein besserer Flieger zu werden, hat mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Ich finde, dass der Versuch, eine Fertigkeit zu meistern, so viele Lektionen und unschätzbare Einsichten vermittelt. Wenn ich am Himmel, unter dem Schirm oder im Tunnel fliege, vergesse ich völlig, dass ich behindert bin. Es macht unglaublich viel Spaß, zusammen mit meinen Freunden mit hoher Geschwindigkeit, Präzision und Zielstrebigkeit zu fliegen. Dies ist eine der wenigen Sportarten, die ich ohne größere Anpassungen, Einschränkungen oder Spezialausrüstung ausüben kann.

Tim in ‚t Veld

Jahrgang: 1999
Kommt aus:Rotterdam, Netherlands
Springer seit: 2021,Ich habe erst im August des letzten Jahres mit dem Springen begonnen. Nur wenige Wochen nach einem Tandemsprung habe ich mit dem Freifallkurs begonnen und bin seitdem süchtig nach dem tollen Sport und der Gemeinschaft.

Mein Handicap:
Ich habe eine angeborene Behinderung an meinem linken Arm, mein Unterarm ist kürzer und besteht nur aus Knochen. Aus diesem Grund fehlt mir die Drehfunktion meines Handgelenks. Außerdem habe ich nur 4 Finger mit eingeschränkter Greifkraft.

Was mich an meinem Sport begeistert:Für mich kann das Fallschirmspringen mit meiner Behinderung ein Rätsel sein: Wie schaffen wir es, dass es bei diesem Sprung funktioniert? Obwohl ich gewohnt bin, kreative Lösungen zu finden, um mein Handicap zu kompensieren, bin ich immer auf die Bereitschaft der anderen angewiesen, sich an die neue und andere Situation anzupassen.
Was ich am erstaunlichsten finde, ist die Gemeinschaft an den verschiedenen Sprungplätzen, die wirklich interessiert und bereit ist, zu helfen und zum Beispiel eine Formation umzugestalten, damit sie funktioniert. Bis zum Fallschirmspringen hatte ich das noch nicht erlebt.

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